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Internationales Logentreffen in Breslau

Internationale Logentreffen sind spannend und machen Spass, das ist für uns schon länger klar. Die Brüder der Zygmunt-Loge Nr. 1 hatten schon am vorherigen Treffen in Breda kräftig die Werbetrommel gerührt für das von ihnen organisierte Treffen in Breslau. Und als das Programm dann eintraf gab es keine Zweifel mehr, das dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Nach Polen kommen wir nicht so schnell wieder.
Internationales Logentreffen in Breslau
Der Marktplatz von Breslau. Foto: zvg

Trotz des langen Weges entschieden wir, mit dem Auto hinzufahren. Es gibt ja unterwegs auch noch einiges zu sehen und ein Kurzurlaub nach dem Treffen ist für uns auch schon fast zur Gewohnheit geworden. So fuhren wir los, im Gepäck den in letzter Minute eingetroffenen Käse der Brüder aus Interlaken.

Die Ankunft am folgenden Tag gelang perfekt, trotz nicht mehr ganz aktuellem Navi. Unser Auto fand im Parkhaus beim Hotel Platz auf derselben Etage auf der unser Zimmer lag. So komfortabel hatten wir noch nie parkiert. Bereits an diesem Abend tauchten überall mehr oder weniger bekannte Gesichter auf. Wir machten einen kurzen Abstecher in die wunderschöne Innenstadt, entschieden uns dann aber, im Hotel zu essen. So trafen wir auch bereits unsere finnischen Freunde zum ersten Mal.

Der Zwerg «Odd Ludek»,

Das Treffen startete am folgenden Tag am späteren Nachmittag. Wir genossen den freien Vormittag zusammen mit den Finnen. Einer der Brüder führte uns zu «Odd Ludek», dem Zwerg, den die Zygmunt-Loge gespendet hatte. In Breslau gibt es über 300 solche Zwerge, sie sind etwa 30 cm hoch und stehen an den verschiedensten Orten. Jeder hat seine eigene Geschichte und sie stehen für wichtige Anlässe in der Stadt und repräsentieren die verschiedensten Organisationen. Der Odd Fellow Zwerg steht für die Gründung des ersten Lagers in Polen und wurde vom schwedischen Gross-Sire eingeweiht. Weitere Zwerge finden sich auf dem Marktplatz oder vor öffentlichen Gebäuden. Wir fanden einen Gitarrenspieler, einen Bibliothekar, einen Richter im Talar, Künstler, Handwerker usw. An der Brücke zur Dominsel gab es sogar einen, der Liebesschlösser knackt, um das Brückengeländer zu schützen. Wer es genau wissen will, kauft sich ein Buch in welchem alle aufgeführt sind und wo man ihre Geschichte nachlesen kann.

Am Abend war ein Grillfest angesagt. Es fand in schönster Umgebung im botanischen Park statt, welcher von der Zygmunt-Loge immer wieder unterstützt wird. Der botanische Park gehört zur Universität, steht unter Denkmalschutz und führt eine sehr bedeutende Pflanzen-Samenbank. Aus Anlass des internationalen Logen-Treffens hat die Loge eine Sitzbank gespendet. Zur Unterhaltung spielte eine Country-Band, es gab reichlich Grillfleisch, Bier und Wodka und viele gute Gespräche mit Brüdern und Schwestern aus anderen Ländern. Wer mochte, konnte sich sogar in Line Dance üben.

Wie finden wir neue Brüder und Schwestern?

Am Samstagvormittag fand eine spannende Diskussion über die Zukunft der Logen statt. Die alles beherrschende Frage war: «Wie finden wir neue Brüder und Schwestern?» Ein älterer Bruder schlug z.B. vor, einen Avatar zu kreieren, welcher im Internet für die Loge wirbt und so jüngere Menschen anspricht. Ausgerechnet ein junger Bruder antwortete, dass wir solches Zeugs nicht brauchen, «wir haben doch unsere Werte, die müssen wir bekannt machen». Eine jüngere Schwester meinte, es sei schön, irgendwo dazu zu gehören, für sie sei die Loge wie eine zweite Familie. Sie räumte aber auch ein, dass nicht viele Menschen in ihrem Alter so denken. Wir kamen nach der Diskussion zum Schluss, dass es nicht einRezept gibt für die verschiedenen Länder. In Schweden ist es möglich, Leute im Bus oder Zug darauf anzusprechen und ihnen von der Loge zu erzählen. In Deutschland und sicher auch bei uns wäre das nicht vorstellbar, hier wirkt es missionarisch und wir wollen nicht als Sekte gesehen werden.

Polens grösster Barocksaal

Am Nachmittag fand die grosse Festloge in der Marianum-Halle der Universität statt. Der barocke Konzertsaal bot einen festlichen Rahmen dafür und die Begrüssung der Gross-Logen-Beamten und aller aktiven Obermeister war sehr feierlich. Sogar das allsehende Auge fand sich im Saal, wie wir erst später entdeckten. Nach der rituellen Sitzung durften wir die Aula Leopoldina besichtigen, Polens grössten Barocksaal. Dieser wirkte fast wie eine Kirche, wird aber auch für Konzerte genutzt oder für Promovierungen und Immatrikulationen. In der Zwischenzeit hatten fleissige Hände die Marianum-Halle auf Konzertbestuhlung umgebaut und wir kamen in Genuss eines wundervollen Konzertes des Kammerorchesters «Ricordanza». Nach nicht enden wollendem Applaus verwöhnten uns die Musiker mit mehreren Zugaben.

Am Abend folgte das grosse Galadiner mit vielen Glückwünschen und Danksagungen für das ereignisreiche Wochenende. Wir durften neben unserem eigenen kleinen Präsent einen Laib Käse von den Brüdern der Unspunnen-Loge Interlaken überreichen. Die Überraschung war gross und man sah viele lachende Gesichter, welche sich freudig an den Besuch der Käserei in Interlaken erinnerten. Der Höhepunkt war natürlich die Frage, wo das nächste Treffen stattfinden sollte. Vorgesehen war Oslo, aber da war noch ein Problem mit dem neuen Logenheim und deshalb musste die ursprüngliche Zusage zurückgenommen werden. Die Freude war gross, als sich eine andere norwegische Loge spontan bereit erklärte, das nächste Treffen durchzuführen.

Am Sonntagmorgen gab es als Ausklang entweder eine Stadtführung oder eine Schifffahrt auf der Oder. Viele entschieden sich für die Schifffahrt, auf welcher weitere Gespräche möglich waren und wo man den Anlass sanft ausklingen lassen konnte. Wir erfuhren, dass ein norwegisches und ein deutsches Ehepaar auch neben den Logentreffen Kontakt hat und sich ein- bis zweimal im Jahr trifft. Nun haben sie entschieden, nächsten Frühling zu uns in die Schweiz zu fahren. Wir sind sehr gespannt, ob das klappt. Wir würden uns jedenfalls freuen. Und sonst: Vi ses i Porsgrunn 2027!

Annelies Streit

Über den Autor

Annelies Streit ist Odd Fellow und Mitglied der Frauenloge «Anna Seiler» in Bern

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