Der Roman spielt während der Kuba-Krise im Oktober 1962 und erzählt die Geschichte aus der Sicht des damaligen Schweizer Botschafters in Havanna, welcher eine wichtige Rolle dabei spielte, dass es nicht zu einem Nuklearkrieg kam.
Wie bist du auf die Geschichte von Emil Stadelhofer gestossen, und was hat dich gereizt, daraus deinen ersten Roman zu machen?
Vor genau dreissig Jahren war ich als junger Student erstmals auf Kuba, um Spanisch zu lernen – und hörte dort von diesem sagenumwobenen Schweizer Botschafter. Je mehr ich recherchierte, desto faszinierender wurde seine Geschichte. Emil Stadelhofer stand mehrfach im Zentrum weltpolitischer Ereignisse – und ist heute dennoch fast vergessen. Ein Roman schien mir die beste Möglichkeit, diese Geschichte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Du verbindest historische Recherche mit literarischer Verdichtung. Wie findest du die Balance?
Mir war wichtig, nichts zu erfinden, was die historische Realität verfälschen würde. Vieles im Roman basiert direkt auf Dokumenten, Berichten und diplomatischen Korrespondenzen. Die literarischen Elemente dienen dazu, die bekannten Fakten zu verbinden und für die Leserinnen und Leser erlebbar zu machen.
Welche Quellen waren für die Rekonstruktion der Ereignisse in Havanna besonders wichtig?
Das waren einerseits die Bestände im Bundesarchiv, also aus dem Aussendepartement, für die ich eine Sonderbewilligung benötigte. Hinzu kamen zahlreiche Gespräche mit Familienangehörigen, Jugendfreunden und beruflichen Weggefährten. Aus diesen vielfältigen Quellen liess sich ein sehr dichtes Bild der Ereignisse rekonstruieren.
Emil Stadelhofer wird im Roman zum «Briefträger zwischen den Welten». Wie hast du seine Persönlichkeit entwickelt?
Er bewegte sich als Diplomat und Mensch in einem Umfeld, in dem jedes Wort und jede Geste Bedeutung hatten. Besonders spannend finde ich seine Selbstzweifel. Als Fidel Castro ihm einmal sein Beret schenkte – deshalb auch der Titel meines Romans –, fragte sich Stadelhofer sofort, ob er dem Revolutionsführer dadurch nicht zu nahe gekommen sei. Gleichzeitig konnte er das Geschenk kaum ablehnen. Solche Situationen zeigen die Gratwanderung, die Diplomatie oft bedeutet.
Die Kuba-Krise gilt als einer der gefährlichsten Momente des Kalten Krieges. Was hat dich beim Schreiben besonders beschäftigt?
Wie nahe die Welt tatsächlich an einem Atomkrieg vorbeischrammte. Gleichzeitig wurde mir bewusst, welche Bedeutung Diplomatie und persönliche Kontakte in Krisenzeiten haben können. Viele Fragen von damals wirken heute erstaunlich aktuell.
Warum eignet sich ein historischer Roman besser als eine rein sachliche Darstellung?
Ein Roman kann Menschen erreichen, die sonst nie zu einem historischen Fachbuch greifen würden. Zudem erlaubt die literarische Form, historische Ereignisse emotional erfahrbar zu machen.
Du hast zuvor vor allem Sachbücher veröffentlicht. Was war die grösste Herausforderung?
In einem Roman kann man nicht einfach seitenlang Fakten präsentieren, sondern muss sie in Gespräche, Konflikte und Begegnungen einweben. Das war für mich die grösste Umstellung.
Der Roman zeigt die Schweiz in einer ungewöhnlichen Rolle auf Kuba. Was sagt diese Geschichte über die schweizerische Diplomatie aus?
Sie zeigt, dass Neutralität mehr sein kann als ein politisches Prinzip. Als Schutzmacht der USA spielte die Schweiz während der Kuba-Krise eine wichtige Vermittlerrolle.
Ein Teil des Erlöses aus Deinem Buch geht an die Kinderhilfsorganisation Camaquito. Warum?
Ich habe eine grosse Sympathie für das Land und seine Bewohner – und ihre Situation ist zunehmend schlimm. Camaquito leistet da seit Jahren ganz wichtige Arbeit. Ich habe die Projekte selbst Vorort besucht und gesehen, wie wichtig diese Hilfe für Kinder und Jugendliche ist.
Welche Reaktionen wünschst du dir von den Leserinnen und Lesern?
Ich würde mich freuen, wenn dieser Roman gern gelesen wird – und sich dadurch auch Leute für Geschichte begeistern, die nie ein historisches Sachbuch lesen würden.
Zum Autor
Dr. Matthias Wipf ist Historiker und Publizist. Er hat in den letzten Jahren zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Schweizer Zeitgeschichte veröffentlicht, insbesondere zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges sowie Biographien herausragender Persönlichkeiten. Mit «Das Beret des Comandante» legt Br. Matthias nun seinen ersten historischen Roman vor.
Das Buch ist für CHF 29.90 im Handel erhältlich. Odd Fellows erhalten es zum Sonderpreis von CHF 25.00 – falls gewünscht auch signiert.
Einfach eine E-Mail an Matthias Wipf senden: maw@wipfkom.ch