1871 wurde die ersten Odd-Fellow-Loge in der Schweiz gegründet. Dies waren Brüder, die der Vision des Odd-Fellows-Gründers Thomas Wildey nachfolgten. Freundschaft, Liebe und Wahrheit – Menschen, die brüderlich und hilfsbereit miteinander leben, ohne Unterschied zwischen Herkunft, Religion und politischer Überzeugung. Hundert Jahre später wurde die erste Frauenloge (Rebekka-Loge) in der Schweiz gegründet.
In den USA entstanden die ersten unabhängigen Rebekka-Logen bereits gegen Ende des vorletzten Jahr-hunderts. Während in unserem Land die Diskussionen hierüber in den Männerlogen erst 70 Jahre später aufflammten. Es gab begeisterte Befürworter, aber auch strikt ablehnende Brüder. Die Schweizer taten sich einmal mehr schwer mit der Gleichberechtigung der Frauen (Stichwort Frauenstimmrecht).
Der Weg zur Gründung
1967 erhielt Alt-Gross-Sire Paul Schmutz den Auftrag, die Gründung einer Rebekka-Loge in der Schweiz voranzutreiben. In Holland, Norwegen und Dänemark existierten damals bereits grosse Frauenlogen. 1968 erhielten Gross-Sire Hans Schwenter und Gross-Sekretär Willy Uehlinger in Berlin den Rebekka-Grad und Schwenter hielt an der Gross-Logen-Tagung ein wegweisendes Referat über Frauenlogen. Er betonte sowohl mögliche Herausforderungen als auch die grosse Begeisterungsfähigkeit von Frauen und stellte die Frage, ob man ihnen diese Möglichkeit verwehren dürfe. 1970 entschied die Grossloge zugunsten der Frauen. Dieser für die damalige Zeit mutige und grosse Schritt erfolgte kurz vor der Einführung des Frauenstimmrechtes in der Schweiz (1971). Kurz darauf traf Schwenter interessierte Frauen, gründete ein Organisationskomitee und beantragte den Freibrief, der am 24. April 1971 ausgestellt wurde.
Die ersten Schritte
In nur vier Monaten wurde das Beamtenkollegium gebildet, das Ritual angepasst und eine einheitliche Kleidung gewählt. Da das Berner Logenhaus im Umbau war, fanden die Frauen dank Paul Schmutz im Logenheim Langenthal ein erstes Zuhause. Die Gründungsfeier am 24. April 1971 mit über 40 Schwestern und internationalen Gästen bleibt unvergessen. Viele Jahre wurden dort Aufnahmen und Gradenlogen durchgeführt – stets begleitet von der Musik der Gründungsfeier. Die Sitzungen fanden später an verschiedenen Orten in Bern statt. Die Anfangszeit war geprägt von Aufbauarbeit, gegenseitigem Kennenlernen und dem Entstehen einer herzlichen Gemeinschaft.
Einzug ins neue Logenheim
Am 22. September 1973 wurde die neue Logenhalle der Berner Männerlogen eingeweiht – ein Meilenstein für die Rebekka-Loge Nr. 1 «Anna Seiler» Bern. Die neuen Räumlichkeiten bieten ideale Voraussetzungen für ein lebendiges Logenleben. Die Frauen freuen sich, dass sie nun ihre Treffen an der Schwarztorstrasse abhalten dürfen.
Namensgeberin Anna Seiler
Die Loge trägt den Namen einer starken und klugen Berner Frau. Ihre Stiftung von 1354 bildet bis heute die Grundlage der Inselspital-Stiftung. Der Anna-Seiler-Brunnen in der Marktgasse erinnert an ihr Wirken.
Unser Auftrag
Die erste Frauenloge der Schweiz wurde mit viel Engagement aufgebaut. Sie ist eine Gemeinschaft von Frauen, die in Freundschaft, Toleranz und gegenseitiger Unterstützung zusammenstehen. Alter, Beruf oder Konfession spielen keine Rolle. Im Zentrum stehen Persönlichkeitsentwicklung, ethisches Handeln, Freundschaftspflege und wohltätiges Wirken. Alle zwei Wochen treffen wir uns im Logenheim an der Schwarztorstrasse 31.
Tavolata Schwarztorstrasse
Im Rahmen einer Gradenarbeit zum Thema Freundschaft entstand die Idee der «Tavolata Schwarztorstrasse». Seit Januar 2026 findet einmal im Monat ein gemeinsamer Mittagstisch für Mitglieder und Zugehörige statt. Zwei Schwestern kochen für die Anwesenden. Die Probe-Tavolata im Dezember war ein voller Erfolg.
Einladung
Die Mitglieder der Frauenloge Nr. 1 Anna Seiler Bern freuen sich über Interessentinnen. Gerne erklären wir diesen die Welt der Odd Fellows und zeigen auf, dass die vermittelten Werte in der heutigen Welt aktueller denn je sind.
www.oddfellows.ch/regionale-logen/frauenloge-nr-1-anna-seiler