Zu Beginn des Eidgenossen-Lagers teilten sich zunächst Odd Fellows und Partnerinnen und Gäste. Für letztere ging es mit dem historischen Berner Nostalgietram durch die weihnachtliche Altstadt. Der Weg führte über die Kornhausbrücke, durch das Breitenquartier und bis zur Allmend. «Fremdenführerin» im Tram war Gross-Marschallin Barbara Streit-Suter, die si einiges über die Geschichte der Stadt zu erzählen wusste.
Feierlichen Zeremonie
Ein letztes Mal eröffnete der scheidende Hauptpatriarch Karl Eiermann Rituelle Lagersitzung, bevor er an Leitung für die Beamteneinsetzung an den Gross-Sire Andreas Grögler übergab. In einer feierlichen Zeremonie wurde Marc Zimmermann von der Albrecht-Haller-Loge Nr.18 ist als neuer Aufseher und Hans Peter von der Biel-Seeland-Loge Rufener Nr. 24 als neuer Führer eingesetzt.
Und schliesslich setzte der Gross-Sire als neuen Haupt-Patriarchen Beat Mühlethaler von der Loge «Drei Ringe zu Basel» Nr. 6 ein.
Nachdem die Partnerinnen und die Gäste von ihrer Tramfahrt zurückgekehrt waren traf man sich zum Vortrag wieder in der Halle des Berner Odd Fellow Hauses, die nicht zuletzt wegen ihren Fenstern als eine der schönsten Odd Fellow Hallen Europas gilt. Und so waren denn auch eindrucksvollen Hallenfenster und ihre Geschichte und Wirkung das Thema des Vortrags von Peter Gasser, dem Obermeister der Fellenberg-Loge. Seinen wirklich spannenden und hoch interessanten Vortag werden wir in einer der nächsten Ausgaben abdrucken.
«Ich mache mir oft Gedanken darüber, wie Menschen mit Menschen umgehen»
Den neuen Haupt-Patriarchen Beat Mühlethaler fragten wir zu seinem Selbstverständnis las Odd Fellow, seiner Motivation und seinen Zielen für und in seinem neuen Amt.
Was hat dich ursprünglich zu den Odd Fellows geführt, und welcher Moment hat dein Engagement besonders geprägt?
Der Onkel meiner Frau Brigitte war ein Odd Fellow und er hat mich vor gut 12 Jahren mit der Loge in Verbindung gebracht. Ich durfte anfänglich die Brüder der Basler Loge an Gesellschaftlichen Anlässen kennen lernen und wurde zwei Jahre später in die Loge «Zu den Drei Ringen Nr.11» eingeführt.
Ich denke es war nicht ein Moment, der mich speziell geprägt hat als Odd Fellows ein Amt zu übernehmen, denn ich bin ein Mensch der gerne Dinge bewegt und an Projekten mithilft. Da der Altersdurchschnitt auch in meiner Loge eher hoch war wurde ich schnell ins Beamtenkollegium als SM2 aufgenommen. Ich arbeitete eng mit dem UM zusammen. Durch einen Schicksalsschlag rückte ich dann schnell nach und übernahm den UM und war später dann als OM tätig.
Welche Prioritäten möchtest du als Haupt-Patriarch setzen, und welche Themen liegen dir besonders am Herzen?
Das Lager soll ein attraktiver Treffpunkt von Brüdern und Schwestern aus der ganzen Schweiz bleiben. Um neue Odd Fellows kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und eine gute Zeit miteinander zu haben. Am Herzen liegt mir auch die Zukunft des Eidgenossen-Lagers Nr.1, dass sich auch nachkommende Brüder und Schwestern für das Lager begeistern können.
Wie willst du die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen dem Eidgenossen-Lager und den Logen weiter stärken?
Ich werde Versuchen als Haupt-Patriarch durch Besuche bei den Logen die Verbindung zum Eidgenossen-Lager zu stärken.
Wie möchtest du die Werte der Odd Fellows im Lager und nach aussen sichtbar machen?
In unseren Ritualen kommen wir immer wieder auf unsere Werte zu sprechen. Jeder Bruder und jede Schwester lebt unsere Werte und trägt diese nach aussen in ihren Alltag. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Matriarchinnen oder Patriarchen an Lagersitzungen über ihre Erfahrungen in Bezug auf unsere Werte berichten könnten.
Welche Bedeutung hat die historische Tradition des Eidgenossen-Lagers heute, und wie gelingt es, junge Mitglieder für diese Arbeit zu begeistern?
Der Grundgedanke, die Ordenslehre weiter zu entwickeln, ist für mich immer noch ein zeitgemässer und zentraler Gedanke. Das Lager bietet eine Plattform die Logenübergreifend für jeden einzelnen eine Bereicherung ist, an sich zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln. Ein attraktives und interessantes Programm an den Lagersitzungen wird die Herausforderung sein um auch jüngere Mitglieder zu begeistern an den Lagersitzungen teilzunehmen.
Was siehst du als die grössten Herausforderungen für die Schweizer Odd Fellows in den kommenden Jahren?
Interessierte Männer und Frauen zu finden, denen unsere Werte wichtig sind, die diese weiter entwickeln wollen und bereit sind, sie in ihrem Alltag und ihrem Umfeld zu leben.
Gibt es eine Persönlichkeit – historisch oder aus deinem Umfeld –, die dein Denken und Handeln besonders inspiriert heben?
Eigentlich war es meine ganze Kinder- und Jugendzeit die mich prägte. Es war, wenn ich mich heute zurückerinnere, mein Grossvater, der unsere Familie mit diesen Werten prägte. Inspiriert. Durch sein Wesen und seine Art zu leben, das hat mich in meiner Jugend unbewusst geprägt. Wir leben heute noch diese Werte, die sich mit denen der Odd Fellows decken: Gastfreundschaft, Liebe und Ehrlichkeit.
Wie findest du persönlich Ausgleich und Ruhe in Zeiten grosser Verantwortung?
Draussen in der Natur, sei dies im Garten, auf einem Spaziergang oder beim Wandern. Aber auch beim Kochen und beim anschliessenden Geniessen mit einem guten Glas Wein kann ich ausspannen.
Welche Rolle spielen Freundschaft und kameradschaftliche Beziehungen in deinem Alltag ausserhalb des Ordens?
Eine sehr grosse. Ich hatte einige negative Erlebnisse in meinem Leben in Bezug auf Freundschaften. Diese Erfahrungen haben mich dazu bewogen Freundschaften differenzierter anzuschauen. Es ist aber sehr wichtig für mich, und ich denke nicht nur für mich, ein gutes soziales Umfeld zu haben welches sich aus guten Freunden aber auch aus guten Bekannten zusammensetzt. Ich hatte gerade letzte Woche einen alten Bekannten aus meiner früheren beruflichen Tätigkeit im Einkaufszentrum getroffen und wir redeten kurz miteinander. Denn auch ein kurzes innehalten und ein Gespräch, finde ich ist einen wichtigen Aspekt im Umgang mit den Mitmenschen.
Welches Buch, welcher Film oder welches Erlebnis hat dich in den letzten Jahren am meisten berührt oder zum Nachdenken gebracht?
Ich lese gerne Biografien von Menschen, die etwas bewegt haben in ihrem Leben und dadurch «berühmt» geworden sind. Ich versuche mich dann in diesen Menschen als Individuum hinein zu versetzten. Was ist er für ein Mensch, welche Bedürfnisse hat er. Oftmals strebten sie nicht nach Ruhm und Ehre. Mich stimmt es dann nachdenklich, wie mit diesen Menschen umgegangen wird, kommerziell aber auch menschlich. Wie ihr Leben in den Medien ausgeschlachtet wird und sie auf Schritt und Tritt überwacht werden, nur um eine Story auf die Titelseite zu bringen. Allgemein mache ich mir oft Gedanken über das «wie», wie Menschen mit Menschen umgehen.