«Das Eidgenossen-Lager steht auch für bewusstes Handeln» 

Auch in diesem Jahr bot die Halle der Berner Odd Fellows den passenden Rahmen für die feierliche Aufnahme der neuen Patriarchen ins Eidgenossen-Lager. Gastgeberin war die Albrecht-Haller-Loge.
Aufnahme der neuen Patriarchen ins Eidgenossen-Lager
Insgesamt wurden 22 Odd Fellows in die drei Lagergrade aufgenommen. Fotos: Uwe Guntern

In diesem Jahr wurde der Hauptpatriarch Adi Koch von Bruder Beat Mühlethaler vertreten. Vor ihm standen 22 Odd Fellows, um in die drei Lagergrade aufgenommen zu werden und damit einen weiteren wichtigen Schritt als Odd Fellows zu machen. Nach der Eröffnung und der Begrüssung konnte das Aufnahmeritual beginnen. Die gehaltvolle Feier hinterliess mit den symbolischen Handlungen und den erläuternden Texten einen emotionalen und bleibenden Eindruck.

 

Ein «Think Tank» der Odd Fellows

Gross-Sire Urs Zeller hob in seinen Worten an die neuen Patriarchen unter anderem hervor, dass Verantwortung zu übernehmen eine ganz wichtiger Aspekt in unserem Leben ist. Dabei gilt:

Je mehr Freiheit wir haben, desto grösser ist unsere Verantwortung.

Je mehr Macht wir haben, desto grösser ist unsere Verantwortung.

Je mehr wir wissen, umso grösser ist unsere Verantwortung.

«Gemäss Thomas Wildey», so der Gross-Sire, «soll der Zweck von Lagern ein Ort sein, an dem aktive und erfahrene Odd Fellows zusammenkommen und Ideen und Informationen austauschen können. Es soll ein Treffen von fortgeschrittenen Mitgliedern sein, die durch ihren jahrelangen Dienst im Orden Weisheit erlangt haben. Ein Ort, an dem sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen an jüngere Odd Fellows weitergeben können.»

Man könne die Lager auch als die «Think Tanks» der Odd Fellows bezeichnen, die als selbständige Arbeitsstätte der Schweizerischen Odd Fellows die Aufgabe hätten, die Ordenswerte zu erweitern und zu vertiefen. Neben der Vertiefung der Werte diene das Lager auch dem Kennenlernen Gleichgesinnter in anderen Regionen, dem Aufbau neuer und der Vertiefung von bestehenden Freundschaften und der Pflege der Geselligkeit. Der Gross-Sire schloss mit den Worten: «Nutzt diese neuen Möglichkeiten zum Aufbruch in unserem Bruderbund – es lohnt sich noch mehr, ein engagierter Odd Fellow zu sein.»

Interviewpartner Beat Mühlethaler
Beat Mühlethaler vertrat bei der Aufnahmefeier in Bern den Hauptpatriarchen.

Das Eidgenossen-Lager steht auch für bewusstes Tun

Nach den Feierlichkeiten hatte die OFZ Gelegenheit, mit dem Stellvertreter des Hauptpatriarchen Beat Mühlethaler zu sprechen.

Nicht nur für die neuen Patriarchen war es heute eine besondere Feier, sondern auch für dich, denn du hast zum ersten Mal eine Aufnahmefeier geleitet. Wie fühlst du dich danach?
Ja ich durfte unseren Hauptpatriarchen vertreten für diese Aufnahmefeier. Es war mir eine Ehre dieses Amt ausüben zu dürfen. Die anfängliche Nervosität legte sich schnell, da alle Beamten mit ihrem Einsatz für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Ich fühlte mich danach gut und bin überzeugt, den neuen Patriarchen eine ehrenvolle Aufnahme in das Eidgenossen-Lager ermöglicht zu haben. Für mich war es eine stimmige Aufnahmefeier.

Kannst du dich noch an deine eigene Aufnahme erinnern und was du damals empfunden hast?
Ich erinnere mich noch gut daran. Schon die Halle in Bern hinterliess bei mir einen bleibenden Eindruck. Am Ritual selbst gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf, wer bin ich, was bin ich und was tue ich. Die Aufnahme in das Eidgenossen-Lager war für mich der Anstoss sich tiefer mit den Lehren auseinander zu setzen, denn alles konnte man sich in dieser kurzen Zeit nicht verinnerlichen. Umso spannender war es anschliessen, sich mit den Themen auseinanderzusetzen in welchen ich mich oftmals wieder fand und welche es mir ermöglichten, Dinge auch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Was bedeutet für dich das Eidgenossen-Lager?
Das Eidgenossen-Lager ist für mich ein Ort, wo ich mich mit Odd Fellows aus der ganzen Schweiz treffen kann und interessante Gespräche mit gleichgesinnten führen kann. Jedes Mal lerne ich neue Patriarchen kennen und das macht es sehr spannend. Die Lagersitzungen sind für mich eine willkommene Erweiterung zur Logenarbeit, die mich in meiner Art zu denken und zu Handeln immer wieder unterstützen und mir neue Sichtweisen aufzeigen. Auch dass wir mit unseren Partnerinnen an den Lagern teilnehmen, ist sehr schön und gibt dem ganzen einen familiären Rahmen.

Die drei Lagergrade sollen uns – gemäss Thomas Wildey – als Lebenshilfe in den Alltag begleiten. Lässt sich das wirklich so umsetzen?
Eine sehr schwierige Frage für mich. Die Welt wie Sie Thomas Wildey und auch wir Odd Fellows haben möchten, wird es wohl nie geben. Aber für mich steht auch nicht das globale im Vordergrund. Ich möchte für mich ein Umfeld erwirken, dass nach den Grundgedanken der Odd Fellows ausgerichtet ist. Und ja, ich durfte schon einiges in meinem Alltag erleben, das ich auf dieses Gedankengut zurückführen kann. Es waren nicht grosse Veränderungen, die ich durch unsere Lehre erreicht habe, aber dennoch sehr wertvolle für mich.

Ist ein Eidgenossen-Lager heute noch zeitgemäss?
Ja, genauso wie die Logen und die Odd Fellows überhaupt. Wir sind in einer Gesellschaft, die immer oberflächlicher und schneller durch die Zeit geht. Die Zeit zerrinnt uns gerne zwischen den Fingern. Wir denken während einer Handlung oftmals schon an das nächste Tun. Die Achtsamkeit für den Moment, der nie mehr wieder kommen wird, bleibt da auf der Strecke. Der Wert des Menschen liegt für mich nicht im möglichst viel Tun, sondern im bewussten Tun. Das sollte wieder gelernt und gelebt werden und dafür steht auch das Eidgenossen-Lager mit seinen drei Lagergraden; Gastfreundschaft, der goldenen Lebensregel und der Selbsterkenntnis

Worin siehst du die Aufgaben und Möglichkeiten eines Patriarchen?
Als Patriarch habe ich die Aufgabe übernommen, mich und mein Wirken zu analysieren und zu reflektieren. Mein Tun zu hinterfragen und aus Fehlern zu lernen. Konstruktive Kritik anzunehmen und diese für mich zu nutzen. Dies gibt mir die Möglichkeit mein Umfeld zu beeinflussen. Denn um eine Änderung herbeizuführen, muss ich diese als Vorbild vorleben. Mit meiner Einstellung zu unseren Werten kann es dann gelingen, auch andere in ihrem Tun zu beeinflussen.

Was möchtest du den neuen Patriarchen mit auf den Weg geben?
Es liegt nicht in unserer Hand, die ganze Welt zu verändern, aber wir haben die Möglichkeit, den Anstoss dazu zu geben, für ein besseres Zusammenleben. Diese Arbeit wird euch das ganze Leben begleiten und das erreichte wird vielleicht nicht riesig sein. Deshalb freut euch an den kleinen erreichten Zielen, denn sie sind umso wertvoller für euch und euer Umfeld.

Uwe Guntern

Über den Autor

Uwe Guntern ist Redaktor der Odd Fellows Zeitschrift.

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