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Lass uns die Musik schätzen und in unser Leben integrieren

Musik hat die einzigartige Fähigkeit, Emotionen zu wecken und zu verstärken. Sie kann Freude, Trauer, Wut, Liebe und eine Vielzahl anderer Gefühle hervorrufen. Diese emotionale Resonanz kann sowohl individuell als auch kollektiv erlebt werden.
Lass uns die Musik schätzen und in unser Leben integrieren
Musik begenet uns auf vielfältge weise. Nehmen wir uns Zeit für sie. Foto: leistungsfotografie.ch/eg

Die Musik begleitet uns ein ganzes Leben lang. Im Kindesalter haben wir die ersten Lieder gehört, unsere Mama hat entweder selber gesungen oder das Radio eingeschaltet – und wir hörten, was gerade lief. Später tanzten wir mit Freunden entweder in der Disco, im Konzert – oder in einer Bar, die eine Tanzfläche hatte. Fleissig schrieben wir in unseren Gedanken auf, wohin wir in den  Ausgang gehen können, wo wir etwas trinken, dann sitzen und nicht zuletzt tanzen könnten. Musik verbanden wir unbewusst mit Familie, Freunden, Vergnügen, aber auch mit Trauer. Wenn uns etwas Negatives geschah, hörten wir melancholische Musikstücke an – seien sie klassisch, Disco, Rock oder Heavy Metal. Die Stilrichtung sollte unseren Geschmack, aber vor allem unsere Gefühlsebene ansprechen.

Musik kann Wut senken, Angst mildern oder im Trauer trösten

Musik hat die einzigartige Fähigkeit, Emotionen zu wecken und zu verstärken. Sie kann Freude, Trauer, Wut, Liebe und eine Vielzahl anderer Gefühle hervorrufen. Diese emotionale Resonanz kann sowohl individuell als auch kollektiv erlebt werden. Bewusst oder unbewusst spüren wir oft in einer gegebenen Situation, welche Musik uns guttun würde. Warum dies dann nicht bewusst steuern? Die Bewusstwerdung unseres emotionalen Zustands könnte eine mächtige Waffe in unseren Händen sein, um mit Hilfe der Musik unsere Emotionen in die gewünschte Bahn zu lenken. Sind wir wütend? Haben wir Angst? Sind wir traurig? Oft haben wir, früher oder später, die Möglichkeit, ein oder mehrere geliebte Musikstücke zu hören. Gerade diese Lieder könnten unsere Wut senken, unsere Angst mildern oder uns im Trauer trösten. Niemand kennt uns so gut wie wir uns selbst, und aus diesem Grund weiss niemand so gut wie wir, was uns guttun oder nicht guttun würde.

Dies haben auch die Therapeuten, Psychologen oder Beraterinnen erkannt und verwenden Musik ganz gezielt während einer Therapiesitzung. Musiktherapie ist ein anerkannter Bereich, in dem Musik genutzt wird, um die psychische und physische Gesundheit zu fördern. Musik kann zur Entspannung beitragen, Stress reduzieren und bei der Behandlung von Depressionen und Angststörungen helfen. Sie wird auch in der Rehabilitation nach Schlaganfällen oder bei Demenz eingesetzt. In Spitälern wird häufig beruhigende Musik in Wartebereichen oder während medizinischer Eingriffe gespielt, um die Angst der Patienten zu verringern (z. B. MRI-Untersuchung in der Röhre, wo beruhigende Musik gespielt wird). Man kann Entspannungsmusik zu Hause oder bei der Arbeit hören, um Stress abzubauen und eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Methoden zur Stressreduktion sind überall zu lesen.

Musiktherapie wird bei Alzheimer-Patienten eingesetzt, um Gedächtnis und kognitive Funktionen zu unterstützen. Bekannte Lieder können Erinnerungen wecken und Kommunikationsfähigkeiten verbessern. Regelmässiges Musizieren oder das Hören komplexer Musikstücke kann die geistige Fitness fördern und die Konzentrationsfähigkeit steigern. Warum nicht mal etwas Neues ausprobieren, indem wir eine Flöte oder eine ganz einfache Gitarre kaufen? Nur mit wenigen Griffen könnten wir schöne Melodien «herbeizaubern». Musik hören oder selbst musizieren kann als Ventil für Emotionen dienen. Wenn man traurig ist, kann das Spielen eines Instruments oder das Hören melancholischer Musik helfen, die Gefühle zu verarbeiten.

Musik lenkt ab und kann die Schmerzempfindung reduzieren. Während wir Sport treiben oder gerade nach einer Behandlung sind (Zahn, (schmerzhafte, unangenehme) Untersuchungen, Operationen), kann Musik die Wahrnehmung von Schmerz und Anstrengung verringern. Sie kann als eine willkommene Ablenkung dienen.

Die diversen Musikrichtungen prägen auch unseren inneren Kern. Bewusst oder unbewusst identifizieren wir uns oft damit und teilweise richten wir uns ganz danach. Die Identitätsbildung wird durch Musik beeinflusst, sowohl individuell als auch kollektiv. Sie kann als Ausdrucksmittel für persönliche oder soziale Identität dienen, sei es durch Musikgeschmack, Bandmitgliedschaft oder musikalische Vorbilder. Nur wenige von uns hatten in den vergangenen Jahrzehnten keine Musikidole oder geliebte Musikrichtungen.

Seit Jahrhunderten legen die Künstler und Komponisten ihre Emotionen und auch ihre Weltansichten durch ihre Musikstücke dar.

 

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827), 9. Sinfonie (Ode an die Freude): Beethoven komponierte seine 9. Sinfonie in einer Zeit persönlicher und gesellschaftlicher Umbrüche. Der Schlusssatz, «Ode an die Freude», basierend auf Friedrich Schillers Gedicht, ist ein Ausdruck von Hoffnung, Brüderlichkeit und universeller Einheit. Beethoven, der trotz seiner Taubheit weiter komponierte, brachte in diesem Werk seine Vision einer besseren, friedlicheren Welt zum Ausdruck. Die Sinfonie wurde später zur Hymne der Europäischen Union, was ihre zeitlose Botschaft von Freiheit und Frieden unterstreicht.

 

Richard Wagner (1813 – 1883), «Der Ring des Nibelungen»: Der Zyklus, bestehend aus vier Opern, behandelt Themen wie Macht, Verrat, Liebe und Erlösung. Wagner war stark von der germanischen Mythologie und der Philosophie Arthur Schopenhauers beeinflusst. Seine Werke zeigen eine tiefe Auseinandersetzung mit Fragen der menschlichen Existenz, des Schicksals und der Erlösung. Wagners Musik und Libretti offenbaren seine Vision einer gesamtkunstwerklichen Einheit, bei der Musik, Dichtung und Bühnenbild eine untrennbare Verbindung eingehen.

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), «Die Zauberflöte»: Mozarts Oper «Die Zauberflöte» ist ein Werk, das nicht nur seine musikalische Brillanz zeigt, sondern auch seine Ansichten über Aufklärung, Freimaurerei und Humanismus. Die Oper ist voll von Symbolik und Allegorie, die auf die freimaurerischen Ideale von Weisheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit hinweisen. Mozarts Mitgliedschaft in der Freimaurerei spiegelt sich in den Themen der Oper wider, die den Triumph der Vernunft und der Tugend über Unwissenheit und Aberglaube feiert. Die Charaktere und die Handlung der Oper vermitteln eine Botschaft von Toleranz, Liebe und humanitären Werten.

 

Franz Liszt (1811 – 1886), «Faust-Sinfonie»: Franz Liszt war ein Komponist, der tief in die literarischen und philosophischen Strömungen seiner Zeit eintauchte. Seine «Faust-Sinfonie» basiert auf Johann Wolfgang von Goethes «Faust» und spiegelt Liszts Faszination für die komplexen psychologischen und metaphysischen Themen des Werkes wider. Die Sinfonie besteht aus drei Sätzen, die die Charaktere Faust, Gretchen und Mephistopheles musikalisch darstellen. Liszt nutzt seine Komposition, um die tiefen Konflikte und Ambivalenzen des menschlichen Geistes zu erforschen. Die «Faust-Sinfonie» zeigt Liszts Interesse an der menschlichen Seele und dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.

 

John Lennon (1940-1980) «Imagine»: John Lennons «Imagine» ist ein starkes Plädoyer für Frieden und eine Welt ohne Grenzen, Religionen und Nationen, die die Menschheit trennen. Der Song stellt Lennons utopische Vision von einer vereinten Menschheit dar, die in Harmonie lebt. Mit einfachen, aber tiefgründigen Texten drückt Lennon seine Sehnsucht nach einer Welt ohne Krieg und Konflikte aus und inspiriert weiterhin Generationen von Friedensaktivisten.

 

Bob Dylan (geb. 1941), «The Times They Are A-Changin’»: In den 1960er Jahren wurde Bob Dylan zu einer Ikone der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegungen in den USA. Sein Song «The Times They Are A-Changin’» wurde zu einer Hymne für sozialen Wandel und Gerechtigkeit. Mit seinen kraftvollen Texten forderte Dylan seine Zuhörer auf, sich den Veränderungen zu stellen und aktiv für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten. Der Song spiegelt Dylans Ansichten über die Notwendigkeit sozialer und politischer Reformen wider.

 

Billie Eilish: Mit ihrem Album «Happier Than Ever» (2021) und den fortlaufenden Veröffentlichungen in den Jahren 2022 – 2024 bleibt Billie Eilish eine wichtige Stimme in der modernen Musik. Sie spricht über Themen wie mentale Gesundheit, Selbstwahrnehmung und gesellschaftlichen Druck.

 

Metallica, «…And Justice for All» (1988): Metallica hat in ihrer langen Karriere viele gesellschaftliche und persönliche Themen in ihrer Musik verarbeitet. Ein besonders herausragendes Werk ist das Album «…And Justice for All», das tiefgreifende Themen wie politische Korruption, Ungerechtigkeit und individuelle Kämpfe behandelt.

 

Black Sabbath: Oft als Begründer des Heavy Metal betrachtet, hat Black Sabbath mit ihrem düsteren und kraftvollen Sound soziale und politische Themen wie Drogenmissbrauch, Krieg und psychische Gesundheit behandelt. Ihr Song «War Pigs» ist eine starke Antikriegshymne.

 

Judas Priest: Judas Priest hat mit Alben wie «British Steel» und «Screaming for Vengeance» soziale Themen wie Arbeitslosigkeit, Rebellion und persönliche Freiheit behandelt. Ihr Song «Breaking the Law» ist eine Hymne des Widerstands und der Rebellion gegen die gesellschaftlichen Normen.

 

System of a Down: Diese Band ist bekannt für ihre politischen Texte und sozialkritischen Inhalte. Songs wie «B.Y.O.B.» und «Chop Suey!» sprechen Themen wie Krieg, soziale Ungerechtigkeit und persönliche Krisen an.

Ich habe hier viele Beispiele und verschiedene Musikrichtungen erwähnt. Warum? Seien wir mal offen: Wie oft lehnen wir Musikrichtungen wie klassische Musik, Rock, Punk oder Heavy Metal ab, ohne dass wir sie kennen (oder kennenlernen wollen)? Jeder Musikstil, jede Musikrichtung verdient eine Würdigung von unserer Seite her. Sie sprechen verschiedene soziale Gruppen an – und machen sie auf diverse Probleme aufmerksam. Durch diese Diversität haben alle Menschen die Möglichkeit, an sich selbst zu arbeiten, zur Ruhe zu kommen oder etwas Kreatives zu erschaffen. Lass uns die Musik, die unsere Zivilisation seit Jahrtausenden begleitet, schätzen und in unser Leben integrieren – und ehren.

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Elisabeth Guarcello

Über den Autor

Elisabeth Guarcello ist Gastautorin der OFZ. Sie zertifizierte PSI- Kompetenzberaterin & Transkulturelles Coaching (MAS)» studiert. Danach war sie als Kommunikationsberaterin für Business- und Privatleute unterwegs sowie als freiwilliger Job-Coach für Jugendliche in Zürich.

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