Willkommen zu spannenden Inhalten und inspirierenden Geschichten!

Was ist der Mensch nach Immanuel Kant

Immanuel Kant, einer der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung, wäre 2024 dreihundert Jahre alt geworden. Sein Denken hat die Philosophie revolutioniert – insbesondere seine zentrale Frage «Was ist der Mensch?» In einer Welt des Wandels suchte Kant nach Prinzipien, die universell gültig sind: Vernunft, Moral und Freiheit. Sein Werk fordert uns noch heute heraus, über unser Wissen, unser Handeln und unsere Hoffnungen nachzudenken.
Was ist der Mensch nach Immanuel Kant
Kant geht es bei der Frage «Was ist der. Mensch?» nicht eine finale Antwort, sondern darum, sie immer wieder neu zu stellen. Foto: leistungsfotografie.ch/ma

Türöffner in die Kant’sche Welt

Kant wurde am 22. April 1724 im damals noch preussischen Königsberg geboren. Sein Vater war Riemen- und Sattlermeister, seine Mutter stammte aus einer Familie aus Nürnberg. 6 Kinder, Immanuel war das zweite Kind. Seine Mutter starb als er 13 war und sein Vater 9 Jahre später. Ein wohlhabender Onkel mütterlicherseits unterstützte ihn noch zu Lebezeiten seiner Eltern und auch nachher noch häufig. Seine Erziehung in Haus und Schule war sehr pietistisch. Also eine Frömmigkeitsbewegung mit einem auf die christliche Spiritualität gesetzten Schwerpunkt des europäischen Protestantismus. Kant gehörte zu den Menschen, die keiner Erziehung fähig, aber auch keiner bedürftig war. Er ward alles durch sich selbst.

Zu verstehen, wie so ein Mensch «funktioniert», ist sehr schwierig zu beschreiben. Ich gestatte mir deshalb, hier eine Beschreibung von Balthasar Gracian (1601-1658) heranzuziehen, der meiner Meinung nach einem so klugen Kopf wie Kant sehr nahekommt:

 

«Wissen und Mut bauen die Grösse auf. Sie machen unsterblich, denn sie sind unsterblich. Jeder ist soviel, als er weiss, und der wahrhaftig Weise vermag alles. Ein Mensch ohne Kenntnisse ist eine Welt ohne Sonne. Ein-sicht und Kraft sind Augen und Hände. Wissen ohne Mut ist ein unfruchtbar Gewächs.» (1)

 

Studium an der Universität Königsberg ab 1740 im Fach Humaniora (= Studien die befähigen ein höheres Menschsein zu erlangen), plus Mathematik, Philosophie und lateinische Klassiker. 1746 schrieb sein erstes Werk «Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte» (er war damals 22) und darauf als Privatdozent «Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels nach Newton’schen Grundsätzen» die er mit 31 Jahren herausgab. Als er sein Werk «Theorie des Himmels» herausgab, wo er sich als Mathematiker und Naturphilosoph betätigte, berief ihn König Friedrich II. von Preussen an die Universität von Halle, was Kant ausschlug. Er wollte Königsberg nie verlassen, bis er 1770 endlich die ordentliche Professur der Mathematik in Königsberg erhielt. Er unterrichtete dort bis 1794, als ihn sein Alter einholte und er sich langsam aber sicher ganz zurückzog.

Kant war nie liiert oder verheiratet, sondern lebte immer alleine und hielt bis fast zu seinem Tode einen strengen Tagesablauf ein. Es hiess, die Königsberger brauchen keine Uhr, sie können sich nach Kant richten. An Sonntagen liess er sich zum Mittagessen einladen oder er selbst lud zu Tische. Sein Alter war ab 1794 mühsam, sein Geist schien ihn im Stich zu lassen, er kannte plötzlich auch langjährige Mitstreiter nicht mehr und starb dann im 80sten Altersjahr am 12. Februar 1804 um 12 Uhr. Also rund 10 Monate bevor Napoleon in Paris sich die Kaiserkrone selbst aufsetzte und dadurch das Papsttum schwächte.

«Seine Leiche wurde nun in seine ehemalige Essstube, in ihr Sterbegewand, hingelegt. Eine grosse Menge Menschen aus den höchsten und niedersten Ständen strömten hinzu um die Hülle zu sehen, die einst Kants grossen Geist umschloss. Viele Tage lang wurde zu ihm gewallfahrtet, zu jeder Tageszeit. Der gänzlich ausgetrocknete Körper Kants erregte Staunen und das Geständnis war allgemein, dass man nicht so leicht einen abgezehrteren Leichnam gesehen habe. Nach beendeter Feierlichkeit in der Universitätskirche wurde die entseelte Hülle in der akademischen Totengruft beerdigt, wo nun seine Asche sich mit den

Überresten Vorausgegangener mischt. Friede seinem Staube.» (2)

 

Ich versuche, das Thema breitflächig zu erfassen und es in die Zeit einzuordnen. Denn jede Theorie oder Erfindung ist auch abhängig von der Person wie auch dem jeweils gegebenen Umfeld. Sei es privat, wie vorhin beschrieben, sei es als Fortschritt von schon geleisteten Taten. Und immer wird es auch vom jeweils geopolitischen Umfeld abhängen.

 

Europa stichwortartig zwischen 1750 und 1804

  • Der 7-jähriger Krieg 1756-1763 zwischen Österreich/Frankreich/Russland/Schweden gegen Preussen/England/Hannover/Hessen und Sachsen pflügt Europa um
  • Schweiz in der 3. Periode der Reisläuferei, eng verbunden mit der europäischen Expansion nach Übersee, Napoleons Besetzung und am 5.7.1803 die Prägung des 1. Siegels «Schweizerische Eidgenossenschaft»
  • Frankreich, Absolutismus unter König Ludwig 14, Verarmung der Bevölkerung, Sturm auf die Bastille 1792 und Ausrufung 1. Republik
  • England, ab 1750 tiefgreifender Wandel durch die industrielle Revolution, Fabriken, Handel mit den Kolonien, Dampfmaschine und Eisenbahn
  • Deutschland (Preussen und andere Kleinstaaten)
  • 1778 Gründung der 1. Freimaurerloge
  • ab 1780 Gründung verschiedener Universitäten als Zentrum der Aufklärung und Antwort auf den Absolutismus
  • 1795 Separatfrieden von Basel zwischen Preussen und Frankreich, 1803 endgültige Aufteilung der Besitztümer entlang des Rheins: linksufrig Frankreich und rechtsufrig «Deutschland».

 

Das Zeitalter der Aufklärung zwischen 1720 und 1790

Die Aufklärung, als Antwort auf den Absolutismus mit der Rolle eines Herrschers der sich wie Gott benahm, begründete eine neue Klassenzugehörigkeit und damit verschob sich auch die Möglichkeit der Bildung. Der Mensch, egal welcher Abstammung, wurde als eigenständiges Individuum wahrgenommen und in den Mittelpunkt gestellt. Befreit von der Unfreiheit der früher herrschenden Obrigkeit. Die häufig philosophischen Ansichten über die neue Wahrnehmung des Menschen wurden in Texten festgehalten und so auch der breiteren Gemeinschaft mitgeteilt. Es sah fast so aus, als ob eine neue «Kaste» geboren wird, die an allem teilhaben kann. Zentral wurden zwei Motive von Immanuel Kant verkündet:

 

«Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit»

und

«Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen».

 

Diese Leitmotive zeigen, dass der Mensch von Natur aus die Fähigkeiten und das Recht hat, rational-vernünftig zu denken und durch Bildung ein selbst bestimmtes Leben führen kann. Deutschland war zu dieser Zeit kein einheitliches Staatsgebilde, sondern umfasste als Heiliges Römisches Reich deutscher Nation bis 1806 rund 300 Fürstentümer. Die Ausnahme davon war das Reich von Friedrich II. in Preussen, der sich den Ideen von Voltaire anschloss und damit zum Zentrum deutscher Aufklärung wurde. In Amerika wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet.

Die neu erlangen Freiheiten überhaupt zu formulieren und darnach nach seinen eigenen Überzeugungen zu leben, erfordern Mut. Es fällt immer schwer, sich den geltenden Konventionen zu entziehen und anders zu handeln als alle andern. Die allgemeinen Sitten und Gebräuche wiegen schwer. Das menschliche Zusammenleben wird so zu einem Stück mit festen Rollen. Anlehnend an Kants «Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen» schrieb Romain Rolland (1866-1944): «Habe den Mut, dich aus der Herde zu lösen». Nur das bringt dieses einstudierte Rollenspiel durcheinander und erweckt die, die unter ihrer Rolle begraben waren, zu neuem Leben.(3)

 

Was ist der Mensch

Es macht Sinn, die Einleitung im Auge zu behalten um den grossen Überblick über die aus dieser Zeit entstehende Philosophie zu verstehen oder wenigstens teilweise nachvollziehen zu können. Ich versuche, nicht im Detail festzukleben, sondern die eklatanten Aussagen eines Genius möglichst verständlich herauszuschälen.

Ich lasse bewusst die anthropologischen Fragen und damit auch die naturwissenschaftliche Sicht auf die Entstehung des Menschen aussen vor. Mir geht es hier einzig um die existenzielle Frage der eigenen Lebensführung eines Menschen und damit der Frage, was ist die Essenz des Menschen und dessen Menschsein. Kant hat dies in seltener Einfachheit und Klarheit definiert indem er sich vier Fragen stellte:

 

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was darf ich hoffen?
  • Was ist der Mensch?

 

Die ersten drei Fragen sind bereits in seinen beiden Ausgaben «Kritik der reinen Vernunft» (1781 und 1787) beantwortet worden. Dazu schrieb Kant: «Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das praktische) vereinigt sich in diesen drei Fragen zum «Was kann ich Wissen», «Was soll ich Tun» und «Was darf ich Hoffen».

Weil jedoch Kant bemerkte, dass sich die ersten drei Fragen eigentlich auf die letzte «Was ist der Mensch» beziehen, kommen wir nicht umhin eine ganz kurze Definition der drei ersten Fragen zu behandeln. Nur so können dann wir zumindest nachvollziehen, was Kant zur vierten Frage «Was ist der Mensch» sagen wollte.  

 

  1. Frage «Was kann ich wissen»: Kant zählt sie zur Metaphysik. Die bildet die Grunddisziplin der Philosophie. Metaphysische Systementwürfe behandeln die Formen, die zentralen Probleme und die Ursachen. Beispiel: Was ist der Unterschied zwischen Geist und Materie. Heute würden wir die Frage der Erkenntnistheorie zuordnen als Teil der philosophischen Theorie.

 

  1. Frage «Was soll ich tun»: Hier geht es um die Moral des Menschen. Beispiel: Wie kann ich mein Handeln begründen. Gehört heute zur Moralwissenschaft und damit zur Ethik.

 

  1. Frage «Was darf ich hoffen»: Kant schreibt diese Frage der Religion zu. Wohlgemerkt, er fragt nicht «Was hoffe ich» sondern «Was darf ich hoffen». Alles Hoffen zielt auf Glückseligkeit und deshalb bedeutet diese Frage «Was darf ich berechtigterweise hoffen». Er stellt hier die Frage «Werde ich dann, wenn ich mich als glückswürdig erwiesen habe, auchglückselig werden?» Hierzu gehört auch die Behandlung des sogenannten «Gottesbeweises» bzw. die philosophische Lösung der Frage «was ist Gott». (4)

 

  1. Frage: Was ist der Mensch: Kant hat genau gewusst, dass er selbst keine letztgültigen Antworten geben kann. Aber genau das liegt ja im Wesen der Philosophie: es geht nicht darum, sie final zu beantworten, sondern darum, sie immer wieder neu zu stellen, zu behandeln, zu durchdenken und vorläufig zu beantworten. Und das erst noch im Licht der gegenwärtigen Geschehnisse, sei es in einer Krise, sei es im niemals ruhenden Wandel der Zeit.

 

„Die hervorstehendste Kraft des Kantischen Geistes aber war, Begriffe zu zergliedern und sie in ihre einfachsten Bestandteile und Merkmale zu zerlegen.“(5)

 

„Bei Kant die grösste Redlichkeit, das Verlässliche in jedem Satz, die schönste Klarheit“ (6)

 

Für Kant ist einzig die Rationalität ein unbestechlicher Richter. Wer Anspruch auf allgemeinere Gültigkeit erhebt, muss sich in der Vernunft bewähren. Den höchsten Aus-druck solcher Wertbeständigkeit haben naturwissenschaftliche Gesetze. Die Rückkoppelung des philosophischen Denkens, auch der Moral, an die Logik ist unabdingbar. (7)

Es ist auch Kant klar, dass es kaum gänzlich vorurteilsfreie Meinungen und Handlungen gibt. Die moralische Integrität wird daran gemessen, ob sie als allgemeine Dogmen taugen oder nicht.

Die 4. Frage «Was ist der Mensch» bildet also die übergeordnete zusammenfassende Frage: die Lehre vom Menschen. Kant bemerkt jedoch, dass sowohl die Metaphysik, die Moral und die Religion sich zur Anthropologie (griechisch Anthropos = Mensch) rechnen liesse, «weil sich die drei ersten Fragen auf die letzte beziehen».

Heute ist die Frage «Was ist der Mensch» der Ausgangspunkt für die sogenannte philosophische Anthropologie, die den Menschen in allgemeiner Sicht als «Mensch an sich» behandelt. und nicht als biologisches, kulturelles oder religiöses Wesen. Kant hat erkannt, dass unsere Denkfähigkeit die Welt zu erkennen durch die Struktur unseres Denkapparats sehr begrenzt ist. Deshalb war er der Meinung, dass die praktische Vernunft (im Gegensatz zur theoretischen) für den Bereich Ethik zu allgemein gültigen Einsichten unabhängig von subjektiver Erfahrung führen kann.  Gleichzeitig stellte er in seinen Schriften zur Freiheit und der unsterblichen Seele oder der Existenz Gottes fest, dass es eine Basis für einen VERNUNFTSGLAUBEN geben muss, der sich klar vom Offenbarungsglauben der bestehenden Kirchen abgrenzt. (8)

 

Der Gottesbeweis

Und deshalb ist es jetzt an der Zeit, den sog. Gottesbeweis nach Kant zu präsentieren (siehe auch Anmerkung 2):

Die Menschen werden in ihrem Leben nie moralische Vollkommenheit erreichen. Deshalb ist Glückseligkeit auch nicht automatisch an die Moralität unseres Wollens geknüpft. Das bedeutet, dass das höchste Gut an Tugend und Glück auch bei bestem Bemühen nicht aus eigener Kraft erreicht werden kann. Deshalb können wir auch den Grad der Tugend nicht an dem Grad der Glückseligkeit knüpfen. Der Tugendhafteste muss nicht unbedingt auch der Glücklichste sein. Uns bleibt deshalb die Pflicht, das Moralgesetz zu befolgen, soweit es in unserer Macht steht. Kant war ein Gegner der sogenannten Ontologie: die ist die Lehre des Seins in der theoretischen Philosophie, die sich mit der Einteilung des Seienden und der gegebenen Wirklichkeit befasst.

Damit diese Pflicht aber einen langfristigen Sinn hat, ist es vernünftig, einen HÖHEREN URHEBER anzunehmen, der dafür sorgt, dass wir die Glückseligkeit erlangen, die unserer Tugend angemessen ist. Dieser Urheber ist Gott. Die praktische Vernunft lehrt uns, dass es das objektive Moralgesetz gibt. Es ist die Basis einer allgemeinen Gesetzgebung für alle vernünftigen Wesen. Die Postulate der Freiheit, der Unsterblichkeit der Seele und der Existenz Gottes sind Schlussfolgerungen daraus. Kant möchte uns damit nicht unbedingt davon überzeugen, dass es Gott gibt, sondern möchte zeigen, dass es eine höhere Macht gibt, die uns dazu treibt, solche menschlichen Gefühle zu besitzen. Es ist subjektiv sinnvoll, von jedem von uns, ihre Existenz anzunehmen, weil ansonsten das Moralgesetz an sich für uns keinen persönlichen Sinn gibt. Wer sich in Übereinstimmung mit dem moralischen Gesetz verhält, ist glückswürdig. Glückseligkeit ist ein Endziel der Menschen. Das höchste Gut ist die Verbindung von Glückswürdigkeit und tatsächlicher Glückseligkeit. Dieses höchste Gut kann aber nur als sicher und notwenig erhofft werden, wenn ein Wesen mit Güte, Intelligenz und höchster Macht existiert, das die Verwirklichung dieses höchstens Gutes garantiert. Dann und nur dann gibt es die notwendige Verknüpfung von Moralität und Glückseligkeit.

Was bleibt von diesem Universalgelehrten, seiner strengen Gedankenlenkung, seinen Schriften und Aussagen? Sehr viel. Und nur, weil er allgemeine Aussagen machte, die zuerst widerlegt werden müssten. Klar, hat die Zeit auch an Kant genagt, es gab anschliessend grosse Koryphäen, die sich auf ihn bezogen und das eine oder andere aber anders sehen. Kant sagte: «Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.» Ihm war immer klar, dass es nicht darum geht, etwas final zu beantworten, sondern darum, sie immer wieder neu zu stellen, zu behandeln, zu durchdenken und VORLÄUFIG zu beantworten. Stets im Licht der gegenwärtigen Verhältnisse, sei es in einem Krieg, einer Krise oder im nimmer ruhenden Wandel der Zeit.

 

 

Ausgang in die eigene Welt, eingebettet in die Welt der Odd Fellows

Ich bin mir bewusst, dass Thema etliches abfordert. Darum ist es für mich sehr wesentlich, einen Ausweg zu zeigen, damit wir nicht das Gefühl haben, zu versagen. Ich denke, dass niemand von uns die Zerlegung der Aussagen nach Kants System beherrschen kann. Deshalb ist es nötig, sich auf das eigene Können auszurichten und zu versuchen, auch damit und darum auch eigenständig glückselig zu werden mit dem, was in uns steckt.

Jeder Leser und jede Leserin sollten nach der Lektüre des vorliegenden Artikels folgendes mitnehmen: Mit dem Wissen und der Überzeugung dass jeder Mensch ein Individuum ist und daher selbständig entscheidet, was er tut und lässt, sind wir Odd Fellows doch dadurch bevorteilt, dass wir eigene Leitlinien haben, die uns begleiten, wenn wir es wollen.

Wir Odd Fellows sind dazu privilegiert und sollten es zumindest versuchen, unsere drei Säulen der Freundschaft, Liebe und Wahrheit dafür zu verwenden.

Die Freundschaft, als beständige Begleitung eines Lebensabschnittes, ist tragend wenn wir sie pflegen. Dadurch werden wir glücklich.

Die Liebe, als eines der höchsten Ziele zwischen Individuen zeigt uns die Innigkeit und die Hingabe an ein anderes Wesen, das uns Glückseligkeit bringt.

 

Die Wahrheit zu finden, ist ein wenig hoch gegriffen. Falls es uns gelingt, die Wahrhaftigkeit zu erkennen, gehören wir zu den Auserwählten, die diese Gabe in sich tragen.

 

«Habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen» und «Habe den Mut, dich aus der Herde zu lösen» zeigen uns die Richtung. Es braucht Mut, es braucht eigenständiges Denken und die Balance, zwischen der Ich-Bezogenheit und der Pflege der Gemeinschaft die richtige Mischung hinzukriegen.

 

Versuchen wir es doch.

Nachtrag: Passend zu dem Gesagten, dass alles immer wieder neu überdacht werden soll, ist das neueste Buch des britischen Philosophen A.C. Grayling «Die Grenzen des Wissens», das nicht nur Wissen vermittelt, sondern zum Nachdenken über den Wissens-Erwerb anregt.

 

 

(1) Gracians Handorakel und Kunst der Weltklugheit, Alfred Kröner Verlag Leipzig, 1934, Vers 4

(2) Originaltext des von Kant vorgesehenen Sterbebegleiters E.U.Ch. Wasianski, Diakonus bei der Tragheimischen Kirche in Königsberg

(3) Frei nach Paul Tournier, in „Unsere Maske und wir“, Rascher Verlang Zürich, 1955. Originaltitel: Le Personnage et la Personne

(4) Um nicht den Faden zur Frage 4 zu verlieren, werde ich den philosophischen Gottesbeweis nach Behandlung der 4. Frage „Was ist der Mensch“ nachreichen

(5) Originaltext von Reinhold Bernhard Jachmann, Schüler von Kant

(6) Karl Jaspers «Einführung in die Philosophie», Ex Libris, Zürich, 1953

(7) Frei nach Guido Kalberer in «Der Bund» vom 20.01.2024, Seite 37

(8) Immanuel Kant in «Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft», 1793

Dies sind Inhalte nur für Mitglieder

Melden Sie sich jetzt an oder werden Sie Mitglied, um diese Seite anzuzeigen.

Christoph Wyttenbach

Über den Autor

Christoph Wyttenbach ist Odd Fellow und Mitglied der Adrian-von-Bubenberg-Loge in Bern

Weitere Artikel

Die unsichtbare Sprache unserer Welt
Rituale und Symbole
Die unsichtbare Sprache unserer Welt
Ob auf dem Smartphone, im Strassenverkehr, auf Verpackungen oder in der Kommunikation mit anderen Menschen: Symbole begleiten uns überall. Sie helfen uns, Informationen schnell zu verstehen,...
Weiterlesen
Mehr als blosse Gewohnheiten
Rituale und Symbole
Mehr als blosse Gewohnheiten
Der erste Kaffee am Morgen, das gemeinsame Abendessen, das Geburtstagslied oder die Kerze, die wir für einen geliebten Menschen anzünden – Rituale begleiten uns durch das Leben. Oft nehmen wir...
Weiterlesen

Login Mitglieder