Rund hundert Teilnehmende – Brüder mit Partnerinnen, Gäste sowie Delegationen von zehn befreundeten Logen aus der ganzen Schweiz – folgten der Einladung.
Neben Vertretern der Gross-Loge nahmen politische Spitzen aus Kanton und Stadt teil: Grossratspräsident Markus Gabriel, Vize-Stadtpräsident Werner Schib und die Einwohnerratspräsidentin Anja Kaufmann. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Saxofonistin Eliška Holečková und der Pianist Tadeas Forberger. Durch das Programm führte Altmeister Ruedi Curty.
In ihren Ansprachen würdigten Gross-Sire Andreas Grögler sowie die politischen Vertreter das Jubiläum und erinnerten an die zentralen Werte des Odd-Fellow-Ordens: Freundschaft, tätige Nächstenliebe, die Suche nach Wahrheit und verantwortungsbewusstes ethisches Handeln – Grundsätze, die gerade in Zeiten von Desinformation an Bedeutung gewinnen.
Die Vergangenheit kennen –die Herausforderungen annehmen
Obermeister Hans Rosenberger wiess in seiner Festrede darauf hin, dass eine Vereinigung, die auf Freiwilligkeit und Idealen beruhe und 100 Jahre alt werde, auf einer soliden Basis stehen müsse. «Wenn es ihr gelungen ist, ihre Inhalte und Werte über mehrere Generationen hinweg weiterzugeben und immer wieder neu zu beleben, so ist das bemerkenswert.» Er betonte, dass die Schenkenberg-Loge dies erreicht habe, und deshalb erfülle es die Mitglieder mit Stolz, diesen Geburtstag feiern zu dürfen.
In der 100-jährige Geschichte der Loge habe es Hochs und Tiefs gegeben. Es habe Klippen gegeben, wie etwa die Bedrohungen vor und während des Zweiten Weltkrieges. Schwierig sei es manchmal gewesen, wenn der Zeitgeist es den Brüdern erschwert habe, intensiv am Logenleben teilzunehmen, und wenn auch Aussenstehende wenig Engagement gezeigt hätten. Dennoch habe man immer wieder erkannt, dass das undogmatische Gedankengut der Odd Fellows an keinen Zeitgeist gebunden sei. Dieses Gedankengut entspreche einem menschlichen Grundbedürfnis, sich für humanistische und ethische Werte einzusetzen.
In einer Rückblende erinnerte der Obermeister daran, dass im Januar 1925 engagierte Odd Fellows aus Aarau beschlossen hätten, eine eigene Loge zu gründen. Carl Richner habe in seinem neuen Werkstattbau am Apfelhausenweg Räume zur Verfügung gestellt, und unter der Leitung von Xaver Suter habe die junge Loge mit 33 Brüdern den Namen Schenkenberg-Loge erhalten. Am 8. November 1925 sei die neue Halle feierlich eingeweiht worden, und die folgenden Jahre seien vom Enthusiasmus, intensiver Arbeit und Wohltätigkeit geprägt gewesen.
Die politischen Spannungen in den 30er-Jahren habe man in der Loge gespürt. Während des Zweiten Weltkriegs habe die Loge weiter bestanden, auch wenn viele Brüder im Aktivdienst standen. Gerade in diesen Jahren habe sich der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung besonders bewährt. Nach Kriegsende habe eine Zeit des Aufschwungs begonnen, und 1947 habe die Loge ihr erstes eigenes Heim erwerben können.
In den 80er-Jahren, als die Aargauische Ersparniskasse expandierte, verkaufte man das alte Heim und beteiligte sich am Bankneubau. 1994 sei die heutige Halle eingeweiht worden. Immer wieder habe man diskutiert, wie weit man an bestehenden Traditionen festhalten oder ob zeitgemässe Änderungen nötig seien. Mitte der 90er Jahre habe die Schenkenberg-Loge mit 65 Brüdern den höchsten Mitgliederstand ihrer Geschichte verzeichnet.
Obermeister Hans Rosenberger führte weiter aus, dass die Mitgliederzahl stark geschwankt habe. Um das Jahr 2000 habe man noch über 60 Brüder gezählt, heute seien es leider nur noch halb so viele. Die Gründe dafür seien wirtschaftlicher, persönlicher oder gesellschaftlicher Natur. Dennoch bleibe der Kern der Odd Fellows bestehen: die Bereitschaft, die Werte «Persönlichkeitsförderung», «ethisches und humanistisches Denken und Handeln» sowie die «Pflege der Freundschaft» zu leben und sich für Mitmenschen einzusetzen.
«Dieses Bedürfnis, sich für ein menschenwürdiges Leben auf dieser Welt einzusetzen», so der Obermeister, «wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Unser Odd-Fellows-Gedankengut ist gerade in der heutigen Welt mit ihren vielfältigen Herausforderungen attraktiv und stösst auf offene Türen. Die Chance unserer Loge besteht darin, auch in einer herausfordernden Zukunft unser Wirken fortzusetzen. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass es unserer Loge weiterhin gelingt, die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft – also gewissermassen den Zeitgeist – rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, ohne dabei Traditionen zu schmälern.»
40’000 Franken an Hilfswerke
Ein bedeutender Programmpunkt war die Vergabe von insgesamt 40’000 Franken an verschiedene Hilfswerke – ein Ausdruck des sozialen Engagements, das fest im Selbstverständnis des Ordens verankert ist. Der Schulverein Lo Manthang Magden, der Schulen in den nepalesischen Regionen Dolpo und Mustang unterstützt, durfte 10’000 Franken entgegennehmen. Weitere 10’000 Franken gingen an die Stiftung Hirtenkinder, die sich für Kinder und Menschen mit Behinderungen einsetzt, sowie an die Dargebotene Hand mit ihrem ständig verfügbaren Sorgentelefon 143. Je 5000 Franken erhielten zudem Carton du Coeur und die Walter und Rosa Säuberli-Stiftung, die beide in der Region gegen Armut und soziale Notlagen wirken.
Nach einem genussvollen Festmahl und vielen herzlichen Begegnungen klang der Abend in warmherziger Atmosphäre aus. Mit Blick auf ihre 100-jährige Geschichte richten die Aarauer Odd Fellows den Blick nun zuversichtlich auf das kommende Jahrhundert.
«Ich würde es wieder mit denselben Leuten organisieren»
Für die Organisation der Jubiläumsfeier war Bruder Vlado Pavlovic verantwortlich. Wir sprachen mit ihm nach den Feierlichkeiten.
Wie zufrieden bist du mit dem Ablauf des Jubiläumsabends und was hat dich persönlich am meisten gefreut?
Ich bin sehr zufrieden. Besonders gefreut hat mich die grosse Zahl der Logenbrüder mit Begleitungen sowie die Gäste aus der lokalen Politik und den beschenkten Hilfswerken, die alle zufrieden nach Hause gegangen sind. Wesentlich zum guten Gelingen hat auch die souveräne, humorvolle Moderation unseres Bruders Ruedi Curty beigetragen und nicht zuletzt die sehr gute Musik, die die Feier würdig umrahmt hat.
Wie lange haben die Vorbereitungen für die 100-Jahr-Feier gedauert und welche Herausforderungen gab es dabei?
Die Vorbereitungen haben erst im Juni 2025 begonnen. Das OK bestand aus einer kleinen Gruppe von fünf Brüdern. Jeder hatte seinen Neigungen entsprechende Aufgaben, die wir dann an unseren Vorbereitungssitzungen koordiniert haben.
Gab es Momente während der Feier, die du als besonders emotional oder symbolträchtig empfunden hast?
Besonders bewegend war die Anwesenheit der beiden Brüder mit der längsten Mitgliedschaft in unserer Loge – Bruder Martin Gasser seit 1964 und Bruder Hans Zbinden seit 1969 – sowie das zu Herzen gehende Schlusswort von Bruder Hans Zbinden. Auch die Übergabe der 40’000 Franken an verschiedene Hilfswerke waren bewegender Augenblicke.
Wie viele Helferinnen und Helfer waren an der Organisation beteiligt und welche Aufgaben waren besonders intensiv?
Unser Jubiläumskomitee hat die Arbeit weitgehend unabhängig und eigenständig erledigt. Wir hatten ursprünglich geplant, mit 70 Gästen zu feiern, letztendlich sind es jedoch 96 geworden, was immer wieder unsere Planungen durcheinandergebracht hat.
Welche Rückmeldungen hast du von Mitgliedern, Gästen oder Ehrengästen erhalten?
Bereits nach dem Ende der Feier haben wir von allen Beteiligten Gratulationen und Dank für den gelungenen Abend erhalten. Auch in den folgenden Tagen habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen.
Wenn du auf die Feier zurückblickst: Was würdest du beim nächsten grossen Jubiläum wieder genauso machen – und was vielleicht anders?
Ich glaube nicht, dass sich in den nächsten Jahrzehnten eine ähnliche Gelegenheit ergeben wird. Was ich möglicherweise anders machen würde, kann ich zurzeit nicht sagen. Aber eines weiss ich: Ich würde es wieder mit denselben Leuten organisieren.